Two Pillars

Interview

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Arbeiten bei Two Pillars: Interview mit Edith Schygulla

Arbeiten bei Two Pillars? Wir, die Two Pillars GmbH, vertreiben das Systems-Engineering-Tool iQUAVIS in Zusammenarbeit mit dem japanischen Konzern DENTSU SOKEN. Wir entwickeln die Software für den DACH-Markt weiter und stehen Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Anlagenbau und Fahrzeugbau beratend bei der Einführung von Systems Engineering zur Seite. Unser Sitz ist in der ostwestfälischen Stadt Paderborn. Aktuell sind elf Mitarbeiter:innen bei Two Pillars beschäftigt – ein kleines Team mit einer großen Aufgabe. Eine davon ist Edith Schygulla. Im Interview sprechen wir über Two Pillars als Arbeitgeber, Teamarbeit, Damenschneiderei, das Essen in der Kantine und Bürosport. Sonja Feierabend Liebe Edith, Du arbeitest seit etwas über einem Jahr für Two Pillars. Stell dich doch mal kurz vor und erzähl mir, was du so machst. Edith Schygulla   Ich bin Edith Schygulla und Industriekauffrau. Ich bin seit etwas über einem Jahr bei Two Pillars und bin zuständig für die Buchhaltung, also Belege und Rechnungen, für den allgemeinen Schriftverkehr, Bestellungen und alles, was so zum Büroalltag dazu gehört. Sonja Feierabend   Das ist aber nicht das Einzige, was du machst, oder? Du bist nebenbei auch noch selbstständig: Was machst du denn da eigentlich? Edith Schygulla Ich betreibe eine kleine Stickerei für Bekleidung, für Taschen, und alles, was man so besticken kann. Wir bedrucken Sachen, Schilder, Tassen, Lätzchen und alles Mögliche – Flaschenöffner zum Beispiel. Transferdruck bieten wir auch an. Sonja Feierabend Das klingt nach einem netten und kreativen Ausgleich. Edith Schygulla Ganz genau. Das ist durch ein Hobby entstanden. Ganz ursprünglich bin ich gelernte Damenschneiderin und bin über das Veredeln der Materialien zur Stickerei gekommen. So ist das dann gewachsen. Aber ich arbeite auch gern für Two Pillars. Sonja Feierabend  Ja, und darüber reden wir jetzt auch: Mich interessiert zuerst, wie du die Lage des Büros und die Büroausstattung einschätzt. Kannst du da Schulnoten vergeben? Edith Schygulla   Da gebe ich eine sehr gute zwei bis zu einer eins. Das Büro ist super erreichbar: Hier ist eine Bushaltestelle vor der Tür klar, Fahrrad ist auch kein Thema, und wir haben ein Parkhaus mit kostenlosen Parkplätzen. Das Gebäude hat einen Fahrstuhl, die Möbel sind ergonomisch korrekt, also man kann zum Beispiel die Tische hochstellen, wenn man möchte. Einmal pro Woche wird von der Uni, die auch hier im Gebäude sitzt, Sport angeboten: Da kommt hier ein Trainer hin und macht Dehn- und Stretchübungen. Sonja Feierabend   Schwitzt man da nicht? Edith Schygulla Nein, manche Dehnübungen sind anstrengend, aber es ist jetzt nicht so, dass das schweißtreibend ist. Ich finde es super, dass es das Angebot gibt. Two Pillars nimmt außerdem an dem Angebot „Sport Navi Paderborn“ teil. Das nutze ich zwar noch nicht, aber ich habe es vor, und ich weiß von Kollegen, die das auf jeden Fall auch nutzen. Sonja Feierabend  Es gibt ja auch eine Kantine im Haus. Großküchen haben nicht immer den besten Ruf – wie ist deine Erfahrung dazu? Edith Schygulla  Ich finde, da gibt es wirklich gutes Essen. Die Kantine wird vom Studentenwerk der Uni Paderborn betrieben. Ich war schon in einigen Kantinen, aber hier wird wirklich gut gekocht, auch das Preis-Leistung-Verhältnis passt. Ok, die Preise sind auch etwas angezogen, aber wo ist das nicht der Fall? Man kann sich auch selbst was mitbringen – wir haben eine Mikrowelle. Sonja Feierabend   Wo wir jetzt bei der Verpflegung sind: Wie sieht es mit Getränken aus? Edith Schygulla   Wir haben eine tolle, neue Kaffeemaschine, sogar mit Milchschaum (lacht)! Mineralwasser wird auch zur Verfügung gestellt.Sonja Feierabend   Das klingt doch schonmal gut, aber Verpflegung und Erreichbarkeit sind ja nur eine Seite der Arbeit: Wie gefällt es dir das Arbeiten bei Two Pillars? Wie hattest du dir das vielleicht auch vorher vorgestellt und wie ist es dann im Endeffekt? Edith SchygullaIch fühle mich hier sehr wohl. Die Arbeitszeitenregelung ist zum Beispiel echt super: Die Kernarbeitszeit liegt zwischen 9h und 15h und ist drumherum aber sehr flexibel, das finde ich sehr angenehm. Theoretisch könnte ich auch im Home Office arbeiten – die Option zu haben, finde ich gut. Ich finde es klasse, dass das Team allgemein sehr jung ist, die haben noch Pfeffer und wollen was erreichen! Jeder kann Ideen einbringen oder Vorschläge zur Verbesserung machen – das ist ein sehr offenes Miteinander, das gefällt mir sehr gut. Sonja FeierabendIch höre da jetzt auch raus, dass es nicht nur ein junges ist, sondern auch ein offenes Team? Edith Schygulla   Ja, richtig. Wir duzen uns alle, und wir reden und diskutieren über alles – selbst, wenn ein Vorschlag abgelehnt wird, so wird er doch reflektiert und es gibt eine Begründung. Sonja FeierabendDas Team von Two Pillars ist mit aktuell elf Leuten ja eher klein – würdest du sagen, dass das ein Vorteil ist? Edith Schygulla Ja, würde ich schon sagen! Man ist dann nicht nur eine Nummer im System, sondern man kennt sich. Ich finde es sehr angenehm: Hier weiß jeder, was der andere tut und weiß auch, wenn‘s Fragen gibt, wen man ansprechen kann. Auf der anderen Seite sind wir hier ja nicht nur Two Pillars, sondern haben mit DENTSU SOKEN (ehemals ISID, Anmerkung d. Redaktion) noch einen starken Partner in Japan. Wir pflegen viel Austausch, lernen voneinander und verfolgen gemeinsame Ziele. Sonja Feierabend   Was magst du denn besonders an Two Pillars oder besser, dem Arbeiten hier, jetzt mal abgesehen vom Essen und Arbeitszeiten? Edith Schygulla   Die Atmosphäre! Ich habe hier noch keinen gesehen, der mit schlechter Laune ins Büro gekommen wäre. Ich finde es ganz schlimm, wenn man morgens zur Arbeit fährt und sich denkt: „Oh mein Gott, jetzt musst du wieder dahin und triffst wieder xy.“ Und das ist hier gar nicht der Fall! Die Atmosphäre ist locker und entspannt. Das Team arbeitet super zusammen. Sonja Feierabend   Wenn die Atmosphäre ein Tier wäre: Welches wäre sie? Edith Schygulla  Ich finde, wir sind hier ein kleiner Bienenstock: Man hilft sich, arbeitet gemeinsam an einem Ziel, manche fliegen aus und erkunden ganz viel – deshalb Bienen. Die sind zwar klein, aber fleißig und gut, und wir brauchen sie. Sonja Feierabend  Das ist ein sehr schönes Bild, vielen Dank für das Interview! Sonja FeierabendSonja Feierabend ist Online Marketing Manager und

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Wir sind Systems Engineer Philip Porten BAUER Offshore Technologies

Wir sind Systems Engineer: Philip Porten von BAUER Offshore Technologies

Philip Porten von BAUER Offshore Technologies ist der heutige Gast unserer Interview-Reihe „Wir sind Systems Engineer“. Im Gespräch erzählt er von Systems Engineering in Offshore Projekten und gibt Einblicke in seine tägliche Arbeit mit iQUAVIS als Engineering Manager. Sonja FeierabendHallo Herr Porten, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben! Stellen Sie sich doch bitte erst einmal vor: Wer sind Sie, für wen arbeiten Sie und was ist Ihre Aufgabe? Philip PortenGuten Tag, Philip Porten mein Name. Ich arbeite für die BAUER Offshore Technologies GmbH als Engineering Manager. Als Teil der BAUER Gruppe bieten wir maßgeschneiderte Lösungen zur Realisierung von Offshore-Energieprojekten.  Beispielsweise werden auf von uns hergestellten Fundamenten Windkraftanlagen oder Gezeitenkraftwerke installiert. Ich beschäftige mich vor allen Dingen mit der Technik der dafür notwendigen Maschinen und Maschinenanlagen. Sonja FeierabendDas klingt nach sehr komplexen Projekten. Philip PortenJa, ich greife dazu auf das Expertenwissen innerhalb der BAUER Gruppe zurück, wie der BAUER Maschinen GmbH und der BAUER Spezialtiefbau GmbH. Ich habe außerdem das Glück, in sehr intensivem Kundenkontakt mit Firmen zu stehen, die mittelfristig planen, Windparks im Meer zu installieren. Sonja Feierabend Da sind wir schon mitten im Thema, aber bevor da richtig tief einsteigen, interessiert mich, wie Sie überhaupt zu Ihrer Position gekommen sind. Würden Sie einmal kurz Ihren Werdegang skizzieren?Philip PortenJa, gerne. Ich habe eine Industriemechaniker-Lehre und im Anschluss ein Maschinenbau-Studium absolviert. Ich bin also klassisch in der Werkstatt gestartet und konnte in dem Unternehmen, in dem ich meine Lehre gemacht habe, meine Diplomarbeit schreiben. Nach meinem Abschluss habe ich dann insgesamt sieben Jahre für einen Hersteller von Schiffsmotoren gearbeitet. In dieser Position war ich überwiegend als Konstrukteur in der Vorentwicklung tätig.In dieser Zeit habe ich festgestellt, dass mir ein kaufmännischer Hintergrund fehlt. Das hat mich motiviert, nebenberuflich noch einen MBA zu machen. Ich suchte dann irgendwann eine neue Herausforderung und bin dann 2015 bei der BAUER Maschinen GmbH als Projektleiter für Entwicklungsthemen gelandet. Dort habe ich sehr vielfältige Projekte betreut, von Cost-Down-Themen bis zur Neuentwicklung von Maschinen für den Spezialtiefbau. Da hatte ich dann 2017 das Glück, in die Offshore-Projekte reinzukommen. Seitdem fühle ich mich Offshore-Themen verpflichtet, deren Umfeld mich besonders fasziniert. 2021 war ich sogar dreimal jeweils fünf Wochen auf einem Arbeitsschiff zur Errichtung von Fundamenten auf dem Meeresboden. Von dort aus war es für mich die logische Konsequenz, dass ich mich in diesem Bereich weiterentwickeln will. So bin ich dann seit Januar 2023 bei Bauer Offshore Technologies. Sonja Feierabend   Sie haben eingangs gesagt, Sie seien Engineering Manager. Würden Sie sich auch als Systems Engineer bezeichnen? Philip PortenNein, ich bin kein Systems Engineer. Ich habe auch keinen Ausbildungshintergrund diesbezüglich. Daher möchte mich nicht als Systems Engineer bezeichnen. Ich habe erst vor knapp zwei Jahren den Kontakt zum Systems Engineering gefunden. Vorher wusste ich nicht wirklich, was das ist. Ich nutze allerdings iQUAVIS sehr intensiv.Sonja Feierabend   Nachdem ich nun schon einige Interviews geführt habe, glaube ich, dass das gar nicht so ungewöhnlich ist. Viele starten erst in einem anderen Feld und stoßen dann irgendwie über Umwege zum Systems Engineering. Wie war das bei Ihnen? Philip Porten Ich bin ein Kind aus der physischen Entwicklungswelt: Ich habe ein technisches Problem und arbeite relativ schnell an der Lösung. Dieser Ansatz ist heutzutage keinesfalls mehr gültig. Die „Probleme“ sind komplex, die Lösungen ebenso, und es gibt jede Menge Anforderungen zu berücksichtigen. Beim Systems Engineering beginnt man damit, das Problem lösungsneutral zu abstrahieren und methodisch zu analysieren: Was möchte ich machen und was benötige ich dazu? Welche Anforderungen sind zu berücksichtigen? Dieser methodische Ansatz aus dem SE war mir völlig neu. Deswegen habe ich mich anfangs auch eher schwergetan. Irgendwann ist dann der Groschen gefallen. Das war eine richtige Erkenntnis. Innerhalb weniger Tage entwickelte sich dieses neblige Bild zu einem klaren. Und dann habe ich auch den Nutzen dieses Ansatzes und der Methode (CONSENS, Anm. d. Redaktion) erkannt – und den von iQUAVIS! Seitdem nutze ich Systems Engineering und iQUAVIS sehr intensiv im Unternehmen, gemeinsam mit einer Handvoll anderer Kollegen. Wir lernen in der Anwendung voneinander, weil es sehr viel auszuprobieren gibt. Egal, an welcher Stelle man sich in einem Entwicklungsprozess oder in einer Produktentwicklung befindet: Man kann immer mit iQUAVIS anfangen. Da gibt es kein richtig oder falsch, das ist vielleicht auch die große Stärke. iQUAVIS ist sehr offen und flexibel. Sonja Feierabend   Das heißt, Sie arbeiten sehr viel mit iQUAVIS? Philip Porten Wir reizen das schon sehr aus. Mittlerweile, behaupte ich, beherrsche ich das System sehr gut. Wir haben bei Bauer Offshore sehr komplexe Maschinen und vor allen Dingen auch sehr komplexe Abläufe in ihren Funktionen, zum Beispiel, um ein Fundament darzustellen. Da hilft es enorm, diese Systeme mit iQUAVIS zu beschreiben und frühzeitig Struktur reinzubekommen. iQUAVIS ist dafür das richtige Werkzeug. Ich kann dort meine Gedanken, die mich die ganze Zeit begleiten, schnell in ein System sortieren, direkt dort aufbewahren und weiterverarbeiten. iQUAVIS ist bei mir kontinuierlich geöffnet. Wenn zum Beispiel in Telefonaten mit Kollegen eine Idee aufkommt, dann kann ich das direkt mitnehmen. Das hilft später, daraus eine Anforderung zu formulieren oder zu entscheiden, dass wir das doch nicht brauchen. Gleiches gilt, wenn ich mit Kollegen an einer FMEA arbeite. Dann ist das einfach sehr praktisch und schön, dass man auch bildlich arbeiten kann. Das senkt auch die Hürde der Anwendung für die Kollegen.Sonja Feierabend   Etwas ähnliches haben mir auch andere schon in den Interviews berichtet, dass Systems Engineering und iQUAVIS helfen, Gedanken zu sortieren und zu sammeln, damit man sich einfach einen Überblick verschaffen kann. Wie war das denn bei Bauer: MBSE und Systems Engineering waren auch erst einmal neu. Das heißt, Sie sind der, der das Thema dann vorangetrieben hat? Philip Porten Als KeyUser bin ich natürlich besonders aktiv. Mittlerweile arbeiten mehrere Kollegen mit iQUAVIS in der Gruppe. Momentan beschränkt sich die Anwendung allerdings noch auf den Bereich der Entwicklung und Konstruktion. Weiteres Potenzial für Systems Engineering in anderen Entwicklungsbereichen innerhalb der BAUER Gruppe ist möglich. Dadurch, dass iQUAVIS ein verhältnismäßig einfach zu bedienendes Tool ist, ist die Einstiegshürde niedrig. Wenn man einmal

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Interview Rebecca Heitmann HARTING AT Wir sind Systems Engineer

Wir sind Systems Engineer: Rebecca Heitmann über Systems Engineering im Sondermaschinenbau

Im heutigen „Wir sind Systems Engineer“-Interview sprechen wir mit Rebecca Heitmann von HARTING Applied Technologies GmbH (kurz: HARTING) über Systems Engineering im Sondermaschinenbau. HARTING hat vor einigen Jahren Systems Engineering und auch iQUAVIS eingeführt. Rebecca hat den gesamten Prozess mitgestaltet. Im Interview zeichnet sie ihren eigenen Werdegang zur Systemingenieurin nach, der mit der Einführung von Systems Engineering bei HARTING sehr eng verknüpft ist. Sonja FeierabendHallo Rebecca, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Stell dich doch bitte am Anfang einmal kurz vor: Wer bist du und für wen arbeitest du? Rebecca HeitmannJa, sehr gerne. Mein Name ist Rebecca Heitmann. Ich bin Systems Engineer bei der Firma HARTING Applied Technologies. HARTING ist dem ein oder anderen vielleicht ein Begriff im Bereich der Steckverbinder im Elektroniksegment. Wir bei Applied Technologies konstruieren und entwickeln Montageanlagen für unsere eigene Produktion aber auch für externe Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Ich bin seit etwa 10 Jahren in der Entwicklung bei HARTING. Zuvor habe ich in Osnabrück Maschinenbau studiert, und habe direkt danach hier in der Konstruktion angefangen. Sonja FeierabendDas heißt, Du bist nach deinem Maschinenbaustudium in Osnabrück direkt bei HARTING eingestiegen, und dann auch schon direkt als Systems Engineer? Rebecca HeitmannJa, aber Systems Engineer war ich damals noch nicht. Ich kannte diese ganze Thematik noch gar nicht. Damals habe ich noch klassisch konstruiert: Mechanische Konstruktion, CAD-Baugruppen, Entwicklung für unsere Projekte. Wir entwickeln sehr kundenspezifische Lösungen, das heißt, wir fangen bei jedem Projekt auf der grünen Wiese an: Der Kunde kommt mit einem Produkt zu uns und möchte dafür eine entsprechende Produktionsanlage haben.Und genau das ist ganz spannend, weil wir immer wieder neue Herausforderungen haben und ein sehr breites Spektrum abbilden.Von der klassischen Konstruktion aus habe ich mich in dann das Thema “Systems Engineering” eingearbeitet. Sonja Feierabend  Gab es denn das Thema Systems Engineering schon bei HARTING, als du angefangen hast, oder hat sich das in den letzten 10 Jahren entwickelt, seit du da bist? Rebecca HeitmannAls ich angefangen habe, war das noch kein konkretes Thema, der Begriff „Systems Engineering“ kursierte nur immer mal wieder. Das Thema war Management-getrieben, aber auf operationaler Ebene ein Buzzword und für alle schwer greifbar. Damals schon haben wir uns iQUAVIS als Modellierungstool angeschaut. Es fehlte jedoch an Ansätzen, wie Systems Engineering operativ umgesetzt werden kann. Der Bedarf für eine Veränderung wurde in den darauf folgenden Jahren allerdings immer größer: Die Prozesse, die wir innerhalb dieser Produktionsanlagen umsetzen müssen, sind immer komplexer geworden, z.B. durch gestiegene Qualitätsanforderungen oder eine hohe geforderte Flexibilität. Darüber hinaus wurden und werden auch heute noch immer kürzere Lieferzeiten gefordert. Das bedeutet: Wir konnten es uns nicht mehr leisten in Silos zu arbeiten und in der Integration zu beginnen, Mechanik, Elektrik und Software aufeinander anzupassen – es bedurfte einer ganzheitlichen Betrachtung insbesondere in der Konzeptionierung. Dafür war eine neue Herangehensweise nötig und der Ruf nach Systems Engineering wurde immer lauter. Sonja Feierabend   Wie habt ihr denn damals angefangen, Systems Engineering zu etablieren? Rebecca HeitmannWir haben uns initial mit dem Thema Systemverhalten im Kontext von Taktzeiten beschäftigt, indem wir die Abläufe der Aktoren & Sensoren beschrieben haben. Allerdings zuerst gar nicht in grafischer Ablaufmodellierung, sondern auf Basis von Excelberechnungen. Das war damals der Anstoß, dass in der mechanischen Konstruktion das Systemverhalten überhaupt dokumentiert und nicht nur „über die Tonspur“ an die anderen Fachbereiche kommuniziert wurde. Wir haben dann aber auch schnell gemerkt: Mit Excel ist es schwer, zu beschreiben, was da eigentlich passiert. Das war dann der erste Meilenstein: 2016 haben wir begonnen, unser Systemverhalten modellbasiert zu beschreiben. Sonja Feierabend Wie ist es von da aus weitergegangen mit Systems Engineering oder wie kam es, dass du jetzt sagst: „Ich bin Systems Engineer“?Rebecca Heitmann   Wir haben zwar damals begonnen, unsere Prozesse zu modellieren und damit die wichtige Perspektive des Systemverhaltens mehr in den Fokus gerückt, aber Systems Engineering bietet und erwartet natürlich noch viel mehr. 2019 ergab sich für mich die Möglichkeit, dass ich berufsbegleitend ein Master-Aufbaustudium im Bereich Systems Engineering machen konnte. Das gab mir die Gelegenheit, mich noch mehr insbesondere zum Thema Systemvalidierung in verschiedenen Lebenszyklusphasen zu vertiefen, und das fand ich sehr spannend. Darüber hinaus hatten wir die Chance in den Forschungsprojekten SE4OWL aus dem Spitzencluster it’s OWL und MoSys – beide im Kontext Systems Engineering – mitzuwirken. Da haben wir viel hinsichtlich der organisatorischen Veränderungen sowie Ansätze für ein ganzheitliches und anwendbares SE betrachtet. In Rahmen dieser Forschungsprojekte haben wir Two Pillars näher kennengelernt. Mit der Erkenntnis „modellbasiert funktioniert gut“ haben wir uns dann schrittweise immer mehr herangetraut, auch durch Ansätze aus den Forschungsprojekten. So haben wir für uns in kürzester Zeit eine eigene Methodik entwickelt – zusammen mit Two Pillars. Sonja Feierabend  Kannst du da ein bisschen mehr drauf eingehen: Wie funktioniert Systems Engineering für euch bei HARTING Applied Technologies? Wie habt ihr das für euch angepasst, auch im Tool? Rebecca Heitmann Da muss ich etwas ausholen: Der Grund, warum Systems Engineering bei uns im Vorfeld sehr große Anlaufschwierigkeiten hatte, lag in der folgenden Erwartungshaltung: „Systems Engineering – da gibt es ja schon fertige Methoden, fertige Tools und fertige Sprachen. Wir nehmen das einfach aus der Schublade.“ Aber das hat in der Praxis einfach nicht funktioniert. Wir konnten unsere Herausforderungen dort nicht abbilden. Durch das Anpassen und Ausprobieren im Tool haben wir erkannt, welche Möglichkeiten iQUAVIS bietet, um unsere konkreten Anliegen abzubilden. Diese Erkenntnis war extrem wichtig, wir hatten langsam eine Vorstellung, wo unsere SE-Reise hingehen kann. Wir haben daraufhin unseren gesamten Entwicklungsprozess betrachtet und die ISO 15288, der Standard für SE-Prozesse, gegenübergestellt. Auf diese Weise haben wir Lücken identifiziert. So haben wir angesetzt und weiter analysiert: Was sind Aktivitäten, die bisher auch schon durchgeführt werden, nur eben noch nicht modellbasiert? Wie können wir diese Aktivitäten anders machen? Das war ein Punkt, bei dem wir mehr Akzeptanz erfahren haben, weil der Bezug zu uns hergestellt war. Das Thema wurde dadurch für alle Beteiligten greifbarer. So haben wir dann eigene Methoden entwickelt, auf unseren Entwicklungsprozess gelegt und auch in iQUAVIS angepasst, sodass wir ein aus meiner Sicht sehr anwenderfreundliches Vorgehen bereitgestellt haben.

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weihnachtsmann systems engineer

Wir sind Systems Engineer – Interview mit dem Weihnachtsmann

In unserer Interview-Reihe „Wir sind Systems Engineer“ interviewen wir Systemingenieure über ihren Weg zum Systems Engineering. Das heutige Interview führten wir mit dem Weihnachtsmann, der erst vor Kurzem seine Geschenkeentwicklung und -produktion modellbasiert auf Systems Engineering umgestellt hat. Sonja Feierabend  Lieber Weihnachtsmann, ich glaube, du musst dich nicht vorstellen. Die meisten werden dich kennen, aber was viele nicht wissen: So eine Geschenkeproduktion funktioniert nur mit Systems Engineering und du nennst dich jetzt auch Systemingenieur. Wie kam es dazu?  Weihnachtsmann Naja, ich bin ja schon sehr lange im Geschäft. Und wenn ich eins sagen kann, dann, dass die Wünsche immer komplexer, größer und umfangreicher werden. Früher kam dann mal ein Brief mit einer langen Geschichte darüber, wie brav man gewesen ist, und dann kam ein bescheidener Wunsch nach einem Holzpferdchen. Da war die Farbe egal! Es musste nur schaukeln können.  Heute flattern hier im Sekundentakt die Wünsche ein und viele Kinder ändern ihre Wünsche auch nochmal kurz vor der Auslieferung. Da ist es bei so vielen Millionen Kindern doch schon unübersichtlich.   So ein Pferdchen muss sich heute bewegen, wiehern, singen und blinken und am besten komplett kompostierbar sein und darf – das wünschen sich meist die Eltern – keine nervigen Melodien abspielen. Und unkaputtbar sein!  Die Kinder haben heutzutage sehr genaue Vorstellungen davon, was sie wollen. Die schreiben mittlerweile seitenlange Anforderungen, die meine Elfen dann in der Vergangenheit fleißig in Pflichtenhefte getippt haben. Die wurden dann ausgedruckt und in die Entwicklung übergeben, aber dann fiel den Kindern noch was ein und dann kamen Änderungen und… (seufzt)  Also schön war das nicht!  Sonja Feierabend  Das heißt, ihr habt immer dokumentenbasiert die Kinderwünsche aufgenommen und seid dann in die Entwicklung und Produktion gegangen?  Weihnachtsmann Jaja, so war das! War auch immer schön, aber dann war mal einer der Elfen krank, der schon jahrelang dabei war. Der hatte die ganze Entwicklung im Blick, und dann ist hier alles zusammengebrochen, weil er das ganze Wissen in seinem Kopf hatte und keiner Zugriff darauf.  Sonja Feierabend  Das war dann der Moment…  Weihnachtsmann … wo wir gesagt haben: Das machen wir jetzt anders!   Ich hatte schonmal von diesem neuartigen Systems Engineering gehört. Und dann hab ich den Christian Tschirner mal zufällig getroffen. Da bin ich dann auf iQUAVIS gestoßen und habe mich ganz intensiv mit der Systems Engineering Methode beschäftigt.   Das war dann natürlich eine Herausforderung, die gesamte Weihnachtsgeschenkeproduktion umzustellen! Aber die Elfen waren kurz vor einem dauerhaften Streik und haben die Idee echt dankbar aufgegriffen. Die sind echt ganz lieb, aber das Chaos von vor zwei Jahren wollen wir nicht mehr haben!   Also haben wir gesagt: Ganz oder gar nicht! In diesem Jahr rollen wir alle Geschenkeprojekte weltweit mit Systems Engineering aus.   Sonja Feierabend  Da bist du ja sehr motiviert!  Weihnachtsmann  Bisher läuft es sehr gut. Ich habe dank der Tabellen und Umfelddiagramme alles immer im Blick. Es ist tatsächlich das erste Jahr, wo ich mal Zeit für ein Interview habe (lacht).  Die Elfen sind ganz motiviert mit dem Programm. Ja, so ein paar ältere haben sich erst geziert, aber jetzt daddeln die auch schon ganz selbstverständlich mit dem Programm rum.   Ich muss wirklich sagen: Es läuft so gut, dass wir eventuell schon im nächsten Jahr zusätzlich in das Geburtstagsgeschenkegeschäft einsteigen könnten. Wir wollen eventuell auch mit dem Osterhasen kooperieren. Wir haben uns da jetzt zusammengeschlossen.  Sonja Feierabend  Das klingt ja großartig. Da wünsche ich viel Erfolg! Vielen Dank für das Interview!  Das gesamte Two-Pillars-Team wünscht Ihnen und Ihren Familien eine schöne Vorweihnachtszeit und besinnliche Feiertage! Sonja FeierabendSonja Feierabend ist Online Marketing Manager und betreut für Two Pillars die Website, Social Media und PR. www.two-pillars.de/

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Luca Weik Palfinger AG Wir sind Systems Engineer

Wir sind Systems Engineer: Luca Weik von der Palfinger AG

In unserer Interviewserie „Wir sind Systems Engineer“ stellen wir System Engineers und ihre Lebensläufe vor: Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Einige sind aus der Forschung, andere arbeiten in Unternehmen, aber sie alle eint, dass sie ihren ganz individuellen Weg zur Methode des Systems Engineering gefunden haben. Im heutigen Interview sprechen wir mit Luca Weik, Senior Specialist Systems Engineering bei der Palfinger AG. Sonja FeierabendHallo Luca, schön, dass du Zeit für das Interview gefunden hast! Stell dich doch mal kurz vor: Wer bist du und für wen arbeitest du aktuell? Luca Weik Hi Sonja, ich bin Luca Weik, 25 Jahre alt, und komme ursprünglich aus Stuttgart. Seit 3 Jahren arbeite ich für die Palfinger AG in Köstendorf in Österreich, in einer schönen, ländlichen Gegend in der Nähe von Salzburg. Ich gehöre zu einer Abteilung für Systems Engineering und beschäftige mich mit allem, was mit Entwicklungsprozessen, Methoden und Tools zu tun hat. Sonja Feierabend Da sind wir schon gleich mitten im Thema! Mich interessiert aber dennoch erst einmal, wie du zu Palfinger gekommen bist – vor allem noch so jung! Kannst du mal kurz deinen Werdegang skizzieren? Luca WeikJa gerne! Tja, wie konnte das passieren, dass ich jetzt schon so lange arbeiten muss? (lacht) Ich habe direkt nach dem Abitur angefangen zu studieren, damals an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, und habe ein duales Studium bei Kärcher gemacht. Das duale Studium war extrem cool: Wir hatten im Endeffekt immer 3 Monate Praxis und 3 Monate Theorie. Das hat mir sehr gut so gefallen! Dadurch konnte ich neben dem normalen theoretischen Maschinenbau Studium quasi im 3 Monate Rhythmus verschiedenste Abteilungen in der Praxis kennenlernen. Angefangen haben wir damals tatsächlich in der Lehrwerkstatt zusammen mit den Industriemechanikern: drehen, sägen, feilen – also wirklich mal Sachen in die Hand nehmen. Mein Schwerpunkt im Studium war damals Konstruktion und Entwicklung und bei Kärcher durften wir dann in der Praxis die verschiedensten Abteilungen durchlaufen. Ich habe in dieser Zeit alles mal gesehen: Fertigungsplanung, Qualitätsmanagement, Konstruktion, Produktmanagement… Während des Studiums bleibt dafür nicht so viel Zeit. Es war sehr gut, die Firma zu erleben und zu sehen, wie sie funktioniert: Dadurch habe ich die Abläufe extrem gut kennengelernt und hatte einen guten Einblick in alles, was man als Ingenieur so tun könnte. Sonja Feierabend  Das klingt nach einem intensiven Einstieg! Und dann bist du von Kärcher zu Palfinger gewechselt? Luca WeikDas hat tatsächlich noch ein bisschen auf sich warten lassen. Wir hatten damals einige Abteilungen, in die wir übernommen worden wären. Ich habe mich dann aber entgegen den zur Auswahl stehenden Abteilungen bei Kärcher initiativ auf eine Bachelorarbeit in einem ganz anderen Bereich beworben: Es gab da eine Abteilung, die sich um CAD/ CAx Tools und Entwicklungsprozesse, Methoden und Tools allgemein gekümmert hat, damals noch mit sehr starkem Fokus auf 3D-Modellierung, aber auch erste Arbeiten zu Systems Engineering. Das fand ich super interessant, und ich wollte unbedingt diese Abteilung kennenlernen. So hat es bei mir mit Systems Engineering angefangen: Wie kann man MBSE bei einer Firma wie Kärcher einführen? Das war für mich dann auch ein komplett neues Thema: Wer macht was? Welche Abteilung hat den Hut auf? Wie kann man das toolmäßig aufsetzen? Das war super spannend! Im Anschluss an meinen Bachelor war ich dann noch zwei Jahre bei Kärcher und habe dort das Thema MBSE weitergetrieben, in einigen Projekten mit einigen Piloten. Wir haben schöne Sachen modelliert. Aber dann hat es mich in die Berge verschlagen! Sonja FeierabendUnd dann hast du bei der Palfinger AG angefangen. Kannst du nochmal kurz sagen, was Palfinger eigentlich so macht? Luca WeikGern! Also Palfinger macht grundsätzlich Hebelösungen jeglicher Art, also z.B. Kräne für die Baubranche, die auf LKWs montiert sind. Die sieht man auf den Autobahnen fahren, aber zum Beispiel auch unsere Ladebordwände, die an den LKWs hinten dran sind. Wir haben Marinelösungen bis hin zu Rettungsbooten, die aus den Schiffen abgeworfen werden – eigentlich alles, was mit dem Heben von Lasten jeglicher Art zu tun hat. Wir sind also sehr diversifiziert aufgestellt. Sonja Feierabend   Und was ist genau deine Aufgabe bei Palfinger? Wie hast du dort als Systems Engineer angefangen? Luca WeikJa, das ist über die letzten drei Jahre ein bisschen gewachsen. Als ich 2020 bei Palfinger angefangen habe, war unsere Organisation sehr im Umbruch. Wir haben viel globalisiert und zentralisiert. Zeitgleich kam die Einführung einer Matrixorganisation, in der ich verankert bin. Ich war in meinen ersten zwei Jahren intern der Ansprechpartner für Systems Engineering im Allgemeinen, also für jegliche Aspekte: Von Requirements Engineering über Systemmodellierung bis hin zu Testmanagement und FMEA. Es gab mal Diskussionen, ob die Systemsimulation eigentlich auch in meiner Verantwortung liegt, also war ich ein bisschen „Mädchen für alles“. Das lag aber auch daran, dass wir natürlich stark im Personalaufbau waren, um die vielen Bereiche, die vielen Aspekte, irgendwie abdecken zu können. Mittlerweile ist unser Team deutlich gewachsen. Momentan liegt mein Fokus klar auf Architekturmodellierung und Requirements Management. Sonja Feierabend  Das heißt, du hast mit deiner Erfahrung das Systems Engineering bei Palfinger richtig vorangetrieben? Luca WeikJa, tatsächlich. Wir haben bei Palfinger allerdings das Glück, dass das Management uns sehr viel Rückenhalt für das Thema Systems Engineering bietet. Es wurde gesehen, dass in dem Gebiet große Potenziale liegen. Es war vom Management klar gewünscht, das weiter zu pushen und deswegen wurde sehr früh eine Vollzeitstelle dafür freigemacht; Fokus: Systems Engineering Methoden bei Palfinger einführen und betreuen. Das klang für mich super interessant. Ich habe ja ähnliches eigentlich schon bei Kärcher gemacht und ich muss auch sagen, ich wollte persönlich immer in die Berge, deswegen hat es mich zu Palfinger verschlagen, um dort im Endeffekt das Ganze nochmal zu machen. Sonja Feierabend Das klingt wirklich sehr spannend! Bist du da in einer ganzen Abteilung in einem Team oder wie seid ihr heute aufgestellt? Luca WeikAls ich angefangen habe, waren wir in unserer Stabstelle nur 6 Leute im Team, quasi ein Einzelkämpfer in jedem Bereich: Einer für den Entwicklungsprozess, einer für das Projektmanagement Office, einer für Masterdata-Management, einer für Systems Engineering, etc… Wir hatten viele Freiheiten zu gestalten, wie sich

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Wie werde ich Systems Engineer? Interview Simon Hofmann Belimo

Wie werde ich Systems Engineer? – Interview mit Simon Hofmann von Belimo

Systems Engineering als interdisziplinärer Ansatz setzt sich immer mehr im Maschinen- und Anlagenbau durch. Systems Engineering bringt Transparenz in komplexe Zusammenhänge und stellt nicht nur eine spezifische Facette einer Aufgabe in den Mittelpunkt, sondern das Gesamtsystem. Die Anfänge von Systems Engineering liegen in den Mondlandungsprojekten – wobei es u.a. darum ging, Lösungen auf konkrete Anforderungen rückverfolgbar zu machen. In Projekten, in denen heute – mehr als 50 Jahre nach der ersten Mondlandung – Elektronik, Software und Mechanik aufeinandertreffen, wird ein klassischer, pen-and-paper-basierter Ansatz schnell zur Fehlerquelle. Deshalb setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass Softwareunterstützung elementar für die wirksame Umsetzung von Systems Engineering ist. Aber: Wie wird man überhaupt Systems Engineer? Wir beginnen daher heute die Interviewreihe „Wir sind Systems Engineer“ und stellen darin interessante Lebensläufe vor. Den Anfang macht Simon Hofmann: Simon Hofmann ist einer, der seit vielen Jahren Requirements Engineering und Systems Engineering in seiner Arbeit vorantreibt. Heute ist er Systems Engineer bei unserem Kunden Belimo – einem Unternehmen aus dem Bereich Haustechnik, Gebäudeautomation und HLK. Im Interview skizziert Simon seinen persönlichen Werdegang bis zu seinem Eintritt bei Belimo. Sehr anschaulich beschreibt er, warum gutes Requirements Management und Systems Engineering die einzige Möglichkeit sind, in einem komplexen technischen Projekt den Überblick zu behalten. Gleichzeitig steht sein Werdegang exemplarisch für den Quereinstieg ins Systems Engineering – oder ist das vielleicht sogar der idealtypische Weg? Vom Elektroingenieur zum Systems Engineer Christian: Wie bist du zum Systems Engineering gekommen, Simon? Was ist dein Ausbildungshintergrund? Simon Hofmann, Belimo AG:Ich habe meine berufliche Laufbahn als Elektroingenieur gestartet. Meine erste Anstellung als Ingenieur war noch an der Fachhochschule. Da habe ich am Physikinstitut gearbeitet. Aufgrund privater Erfahrungen habe ich später eine Weiterbildung in Richtung Medizintechnik gemacht. Dadurch war ich dann schon mittendrin im Systems Engineering – habe das aber noch gar nicht so richtig bemerkt. Da war ich bei Bernafon, einen Hörgerätehersteller. Diese Firma war schon 2005 wirklich fortschrittlich im Systems Engineering. Da wurden sich damals schon Gedanken über Requirements, Architektur und Design gemacht, auf einem ganz anderen Level als damals üblich. Ich habe das aber leider auch nicht so mitbekommen, weil ich da noch im Elektronikteam war – Stovepipes halt trotzdem. Ich bin dann aber immer mehr in Richtung Systemkonfiguration gewandert und habe immer mit spezifischen Aspekten des Systems Engineering zu tun gehabt, auch mal ein Testsystem entwickelt. Danach habe ich in einer anderen Medizintechnikfirma als Systems Engineer gestartet. Erst da wurde mir bewusst, wie gut das Systems Engineering Framework aus Prozess-Methode-Tool bei Bernafon schon aufgesetzt war – ich konnte zwar von einigen Erfahrungen profitieren, aber beim Aufsetzen einer ersten SE-Werkzeugkette und der Verantwortung für verschiedene Aspekte von Systems Engineering war das Systems Engineering dann doch schon wie eine neue Welt für mich. Christian: Inwiefern? Was meinst Du damit konkret? Simon Hofmann, Belimo AG:In meiner neuen Firma stand Systems Engineering, so wie wir es heute machen würden, noch in den Startlöchern. Requirements wurden häufig in einem Word Dokument geschrieben und dann wurde ein nächstes Word Dokument geschrieben, wo man nur noch die Änderungen reingeschrieben hat, und dann wieder ein nächstes. Eher ganz normal für die damalige Zeit – und ganz offen: Meist ja auch noch heute. Wenn man diese Aufgaben aber nicht modellbasiert mit einem Tool macht, ist das unmöglich. Wir haben dann zunächst ein SysML-Werkzeug für das Requirements Engineering eingesetzt, also nicht nur für die Architektur. Das war schon ganz spannend, aber leider auch das falsche Tool für die richtige Aufgabe. Es wurde recht schwierig: Wenn man ein neues Produkt auf Basis eines bereits existierenden Produkts anstoßen wollte, musste man bspw. immer alles kopieren. Das ist etwas, wo einem jeder mit ein bisschen Ahnung raten würde, dass man das nicht tut. Aber wir haben gut gelernt. Ich war zu dem Zeitpunkt also schwerpunktmäßig schon auf der Requirements-Engineering-Seite. Etwas später suchte ich etwas Neues, und dann kam diese Stelle zum Aufsetzen der Methodik von Systems Engineering bei Belimo. Und so bin ich zu Belimo gekommen. Christian: Wann war das? Und wie lief das dann ab? Simon: Das war vor ziemlich genau 3 Jahren, im April 2020. Anfänglich war das Thema Systems Engineering auch bei Belimo noch nicht etabliert. Es gab aber ein Projekt für die Einführung von Systems Engineering, in dem habe ich mitgearbeitet. Unser Projektleiter war damals Martin Oswald. Wir waren damals kein fixes Team, vielmehr eine Stabsstelle. Alle anderen Leute in diesem Team waren Abteilungsleiter, die also neben ihrer eigentlichen anspruchsvollen Tätigkeit zwar die Bedeutung von Systems Engineering erkannt hatten, aber nicht so viele Ressourcen investieren konnten, wie sie es gewollt hatten. So konnten wir dann nicht die notwendige Breitenwirkung für das Systems Engineering erreichen. Wir haben immer viele gute Konzepte und Präsentationen erstellt, was wir jetzt neu gemacht haben – aber so in der Retrospektive mussten wir lernen, dass die Organisation damit nicht so zurechtgekommen ist. Wir haben irgendwo immer auf einer anderen Ebene gesprochen – das passiert schnell – und die meisten Leute sind in ihrem Arbeitsalltag mit ganz anderen Problemen konfrontiert. So konnte Systems Engineering nur bedingt fruchten. Christian: Toll, dieser offene Einblick, davon kann man viel lernen. Es veranschaulicht auch sehr gut, dass Systems Engineering eine große Kommunikationsherausforderung ist – nicht nur der verschiedenen Systeme, sondern auch der Menschen in einem Unternehmen. War das bis dahin alles pen-and-paper-based Systems Engineering? Simon: Nein, war es nicht. Es war zum Anfang so ein Mischding. Weil die Softwareentwicklung schon damals Requirements in Jira geschrieben hat, haben wir das dann auch insgesamt etabliert: Jira für Requirements. Aber für das, was wir Systeme nennen, und auch für alles andere gab es eigentlich nicht wirklich Requirements. Da haben wir viel und erfolgreich Zeit und Hirnschmalz investiert – und wir werden jeden Tag besser. Und genau das ist es, was man beim Systems Engineering machen muss: Jeden Tag ein bisschen besser werden wollen und auch scheinbar widersprüchliche Dinge im Sinne des Gesamtsystems zusammenfahren. Auch wenn es scheinbar schneller geht, Requirements gehören nicht in ein Word-Dokument – denn tracebar werden sie nur in einem Softwaretool. Das waren die Anfänge von Systems Engineering bei Belimo.

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Philipp Seibert MELAG Interview über iQUAVIS

Medizinproduktentwicklung mit Systems Engineering: Interview mit Philipp Seibert von MELAG Medizintechnik GmbH & Co. KG

Medizintechnik und Systems Engineering – passt das zusammen? Seit einiger Zeit setzt die MELAG Medizintechnik GmbH & Co. KG iQUAVIS für ihre Medizinproduktentwicklung ein. MELAG ist ein international tätiges, mittelständisches und inhabergeführtes Familienunternehmen mit Standort in Berlin. Das Unternehmen ist weltweit führender Medizinprodukte-Hersteller und Qualitätsführer im Bereich der Instrumenten-Aufbereitung für Arztpraxen und Kliniken. Wir haben Philipp Seibert, Leiter der Produktentwicklung bei MELAG, zu seinen Erfahrungen befragt. Hallo Herr Seibert! Was macht MELAG und was ist Ihre Aufgabe im Unternehmen? MELAG sorgt dafür, dass Instrumente in Arztpraxen schnell und problemlos für den nächsten Einsatz aufbereitet werden können. Damit wir unsere Kunden auch in Zukunft immer wieder begeistern können, arbeiten wir ununterbrochen an neuen, innovativen Produkten. In der Produktentwicklung bin ich für das Systems-Engineering, die Use-Safety und das Risikomanagement verantwortlich. Welche Herausforderungen haben sich in Ihrer täglichen Arbeit mit den bisherigen Tools und Methoden ergeben? Wie kann iQUAVIS Sie nun bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen? MELAG Produkte haben das Ziel, höchste Ansprüche an die Aufbereitung und auch an die Benutzungsfreundlichkeit zu erfüllen. Hierfür müssen Mechanik, Hardware sowie die verschiedenen Bestandteile der Gerätesoftware optimal auf einander abgestimmt werden. Bislang ist die Spezifikation dieser Sachverhalte nur mit einigen Toolbrüchen darstellbar. Die Informationen müssen hierbei nicht nur in den verschiedenen Tools gepflegt sondern auch für alle Beteiligten verständlich dargestellt werden. Welche Vorteile und Potenziale ergeben sich durch die Nutzung von iQUAVIS für die Entwicklungsarbeit bei MELAG? Von der Verwendung von iQUAVIS versprechen wir uns weniger Reibungsverluste bei der Erstellung und Darstellung von Spezifikationen in der Produktentwicklung. Ein weiteres Feld, in dem wir die Nutzung von iQUAVIS erproben wollen, ist die bessere Rückführung von Rückmeldungen aus dem Feld bei der Entwicklung neuer Geräte. Was hat Ihnen an der Zusammenarbeit mit Two Pillars besonders gefallen? Der Support durch Two Pillars hat zu einer reibungslosen Inbetriebnahme bei MELAG geführt. Zusätzlich versucht Two Pillars ein für MELAG wichtiges Feature unkompliziert in iQUAVIS zu integrieren wodurch das Tool bei MELAG optimal eingesetzt werden kann. Vielen Dank für das Gespräch! Der Großteil der Arzt- und Zahnarztpraxen in Deutschland und 80 weiteren Ländern verlässt sich bei der Instrumenten-Aufbereitung auf die Qualitäts-Produkte „Made in Germany„. Rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen durch neue Ideen und ihren täglichen Einsatz dazu bei, die Verbreitung von Infektionen zu vermeiden und somit die Hygiene auf der Welt nachhaltig zu verbessern. Seit über 70 Jahren realisiert MELAG mit Freude Ideen für die bestmögliche Aufbereitung und sorgt seit der Geburtsstunde im Jahr 1951 für höchsten Patienten- und Instrumentenschutz! MELAG Medizintechnik GmbH & Co. KG Christian TschirnerSystems Engineering ist eine Lebensart – wer sie einmal kennt, kommt nicht von ihr los! Ich brenne dafür, das Engineering zu verändern. Weg von verwirrenden Lasten- und Pflichtenheften hin zu einer modellbasierten Spezifikation. Das hilft mir, viele Aufgaben eines Projekts besser zu bewältigen, mit Kollegen ein gemeinsames eindeutiges Systemverständnis zu bilden und immer die relevanten Aufgaben im Blick zu haben. Und außerdem: Ich bin überzeugt, dass innovative Geschäftsmodelle nur mit einem solchen Ansatz möglich werden: Smarte Services, Things that think, … Let’s go together! www.two-pillars.de/

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Dr. Daniel Ammer Interview Plastivation Machinery Maschinenbau Systems Engineering

Maschinenbau und Systems Engineering – Dr. Daniel Ammer von PlastiVation Machinery GmbH im Interview

Im Maschinenbau gibt es viele junge, spannende Unternehmen, die sich neu gegründet haben. Eines davon ist die PlastiVation Machinery GmbH aus München. Wir freuen uns, mit PlastiVation fast von Tag eins an zusammen zu arbeiten und iQUAVIS einzusetzen. Im heutigen Interview mit Dr. Daniel Ammer geht es um Systems Engineering im Maschinenbau. Interview mit Dr. Daniel Ammer von der PlastiVation Machinery GmbH Hallo Herr Dr. Ammer! Was macht die PlastiVation Machinery GmbH und welches Ziel verfolgen Sie? PlastiVation ist ein Maschinenbau Startup aus München. In einem einzigartigem Geschäftsmodel werden wir eine Spritzgießmaschine mit höchster Energie- und Kosteneffizienz entwickeln. Mit unserem Produkt wollen wir unseren Kunden eine innovative und hochwertige Produktionslösung bieten. Dabei setzen wir besonders auf digitale Innovationen und die Energieeffizienz als Eckpfeiler unserer Entwicklung. Wir möchten unsere Kunden bestmöglich unterstützen die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern und unseren Teil dazu beitragen die Branche für die Zukunft zu rüsten. Daneben bieten wir Ihnen als Handelsvertretung Markenprodukte der Tederic ‚NEO series‘ sowie Serviceleistungen der modernen Spritzgießtechnik an. Warum ist Systems Engineering so wichtig für Ihr Ziel? Die Anwendung des (Model Based) System Engineerings Ansatzes ermöglicht es uns das immer komplexer werdende System Spritzgießmaschine transparent und vollständig abzubilden. Durch die digitalen Innovationen gibt es sowohl innerhalb der Maschine, als auch nach außen, immer mehr Schnittstellen und Abhängigkeiten. MBSE hilft uns diese darzustellen und vollumfänglich zu verstehen. Auf dieser Grundlage arbeiten dann unsere Entwicklungsteams die jeweiligen Module und Bausteine aus und können bereits erste Simulationen und Test durchführen. So schaffen wir es unsere Entwicklungszeiten zu verkürzen und die Effizienz unserer internen Abläufe zu steigern. Spielt die Unternehmensgröße eine Rolle für den Einsatz von Systems Engineering und dazugehörigen Software-Tools? Aus unserer Sicht spielt die Unternehmensgröße hier keine Rolle. Als Startup haben wir uns bewusst für den Einsatz von (Model Based) Systems Engineering und den dazugehörigen Tools entschieden, auch wenn unser R&D Team zunächst eher klein ist. Jedoch haben wir nur so die Möglichkeit unsere Gedanken und unser Wissen zu unserem Produkt zu digitalisieren und transparent zu gestalten. So ist dieses Wissen für jeden Mitarbeiter und Partner zugänglich. Das hilft zunächst bei der Zusammenarbeit, aber auch beim Erweitern des Teams. Auch die Komplexität des Produkts spielt eine untergeordnete Rolle. Wir Nutzen die Methodik sowie das Tool neben der Produktentwicklung auch um unsere IT-Infrastruktur abzubilden. Was gefällt Ihnen bislang an iQUAVIS? Mir gefällt die Möglichkeit unser Wissen vollumfänglich in einer Datenbank abzubilden und für alle Abhängigkeiten eine Darstellungsform zu finden. Als Entwicklungsingenieure haben wir das Wissen über unser Produkt in vielen zweidimensionalen Matrizen in unseren Köpfen und mit bisherigen Tools ist es nicht gelungen alle Zusammenhänge korrekt und vollumfänglich darzustellen. Für uns ist MBSE in iQUAVIS das Backbone unserer digitalen Entwicklungsarbeit. Dr. Daniel Ammer ist Vice President Research And Development bei Plastivation und blickt auf eine lange Karriere im Bereich der Kunststoffverarbeitung und Herstellung von Spritzgießtechnik zurück. Zuvor hatte er Maschinenbau an der Technischen Universität München studiert,  promoviert und als Director Global Development bei einem namhaften Hersteller gearbeitet.Plastivation Machinery GmbH Christian TschirnerSystems Engineering ist eine Lebensart – wer sie einmal kennt, kommt nicht von ihr los! Ich brenne dafür, das Engineering zu verändern. Weg von verwirrenden Lasten- und Pflichtenheften hin zu einer modellbasierten Spezifikation. Das hilft mir, viele Aufgaben eines Projekts besser zu bewältigen, mit Kollegen ein gemeinsames eindeutiges Systemverständnis zu bilden und immer die relevanten Aufgaben im Blick zu haben. Und außerdem: Ich bin überzeugt, dass innovative Geschäftsmodelle nur mit einem solchen Ansatz möglich werden: Smarte Services, Things that think, … Let’s go together! www.two-pillars.de/

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digitales engineering4.0 Lydia Kaiser Interview

MBSE, iQUAVIS und Digitales Engineering 4.0: Interview mit Prof. Dr Lydia Kaiser

Prof. Dr. Lydia Kaiser von der TU Berlin ist Expertin für Digitales Engineering 4.0. Im Interview spricht sie über MBSE, Systems Engineering, Maschinenbau und iQUAVIS. Dabei geht es auch um die Frage, warum iQUAVIS speziell für kleine und mittlere Unternehmen von Vorteil ist. Physik, Maschinenbau, Systems Engineering – was fällt Ihnen dazu ein? Es ist ein möglicher Weg zum Systems Engineering zu kommen und es aus Überzeugung gestalten zu wollen. Das war mein Weg, den ich gegangen bin. Nach meinem Physikstudium habe ich bei Prof. Gausemeier im Maschinenbau promoviert und bin so zu Systems Engineering gekommen. Als Physikerin fühle ich mich sehr wohl mit dem Themenfeld. Das systemische Denken und Arbeiten wird im Physikstudium im Grunde durchgehend trainiert. Digitales Engineering 4.0 – was bedeutet das und welche Rolle spiel da das Systems Engineering? Das Engineering umfasst den Prozess wie wir die technischen Systeme von morgen gestalten. Diese wandeln sich und sind vernetzt, autonom, interagieren mit uns in multimedialer Form und sind serviceorientiert. Doch auch die Art, wie wir die Systeme gestalten hat sich durch Digitalisierung verändert und muss auch neu gedacht werden. Wie schaffen wir die digitale Durchgängigkeit, wie können wir neue Datenquellen nutzen und Systeme realisieren, die vom User gedacht sind, wie entstehen digitale Zwillinge von Beginn an und wie schaffen wir die Interdisziplinarität und damit die Diversität zu fördern, dabei die Komplexität aber zu beherrschen? Das sind einige Fragestellungen, die das Themenfeld so spannend machen. Dabei entwickeln sich die Technologien so schnell weiter, dass wir uns auch fragen müssen, wie sieht das Engineering der Zukunft aus? Wie können wir die Technologien in das Engineering übertragen und dieses neu denken? Ich bin überzeugt, dass bei aller Forschung und Entwicklung, die wir vorantreiben und damit neue technische Lösungen hervorbringen, das „WIE“ immer mit erforscht werden muss. Sonst schaffen wir den Übergang nicht von einem guten Forschungsergebnis zu einer marktfähigen und anwenderzentrierten Lösung. MBSE ist ein großes und teilweise schwieriges Thema – gibt es sowas wie einen Nukleus, den die Anwender*innen in der Industrie beherrschen oder zumindest beherzigen sollten? MBSE klingt so kompliziert, weil wir mit Fachbegriffen nur so um uns werfen und damit viele leider verschrecken. Dabei steckt so viel Potential in dem Ansatz – Interdisziplinäre Teams erhalten ein Kommunikationsmedium für ein einheitliches Verständnis vom Gesamtsystem. Dr.-Ing. Lydia Kaiser Den Anwendern gebe ich immer mit, mit kleinen Schritten die Erfolge erleben. Dann sind die meisten schon so begeistert, dass sie intrinsisch motiviert weitermachen wollen. Manche sagen, MBSE ist nur, wenn es ein (Daten-)Modell gibt. Für den Anfang reichen gute Bilder, wie z.B. CONSENS-Wirkstruktur in paper-based Workshops. Das schult das systemische Denken, fördert die Kommunikation und den Austausch unter den Fachexperten und bringt so manche Diskussion in den Gang, da unterschiedliche Sichten auf ein und denselben Sachverhalten herrschen. iQUAVIS ist von seinem Ansatz her anders strukturiert als viele andere MBSE-Werkzeuge. Welche Stärken sehen Sie darin gerade für KMU? iQUAVIS hat den großen Vorteil, dass es sehr intuitiv ist und auf die CONSENS-Methode abgestimmt aufgebaut ist. Damit muss nicht erst eine „Modellierungssprache“ mit all ihren Facetten gelernt werden. Die Hürde ist somit viel niedriger und die Erfolgserlebnisse garantiert. Besonders für KMUs ist das ein großer Mehrwert. Sie haben nicht die Ressourcen und Mittel alle Mitarbeiter*innen in dem Umfang zu schulen und Tools anzupassen. Stichwort Change: Der Umstieg von 2D-CAD zu 3D hat Jahrzehnte gedauert. MBSE ist noch eine Nummer komplexer – was raten Sie und würden Sie diese Veränderung beschleunigen? Der Vergleich kann gut gezogen werden und zeigt, dass es ein langer Prozess ist. Es hat ja nicht nur die technische Facette, die Anwender müssen davon überzeugt sein und den Weg mitgehen. Eine Sicht sollten wir dabei jedoch nicht vergessen. Als der Übergang 2D nach 3D erfolgte, waren wir in den „Kinderschuhen“, was die Rechenleistung und technische Umsetzungsmöglichkeiten betraf. Die Anwender waren nicht so schnell zu überzeugen, weil neue Lösungen sperrig und nicht stabil waren. Heute sieht die Welt anders aus. Wir haben KI-Lösungen in unseren Alltagsprodukten und haben Zugang zu großen Rechenleistungen. Da sehe ich die größten Stellhebel, den Wandel schneller zu gestalten. Wir haben Forschungsarbeiten seinerzeit am Fraunhofer IEM gestartet, die genau da ansetzen und KI-Verfahren nutzen, um die Anwender bei der Arbeit an und mit den Modellen zu unterstützen. Dr.-Ing. Lydia Kaiser ist ECDF-Professorin an Technischen Universität (TU) Berlin für Digitales Engineering 4.0. Christian TschirnerSystems Engineering ist eine Lebensart – wer sie einmal kennt, kommt nicht von ihr los! Ich brenne dafür, das Engineering zu verändern. Weg von verwirrenden Lasten- und Pflichtenheften hin zu einer modellbasierten Spezifikation. Das hilft mir, viele Aufgaben eines Projekts besser zu bewältigen, mit Kollegen ein gemeinsames eindeutiges Systemverständnis zu bilden und immer die relevanten Aufgaben im Blick zu haben. Und außerdem: Ich bin überzeugt, dass innovative Geschäftsmodelle nur mit einem solchen Ansatz möglich werden: Smarte Services, Things that think, … Let’s go together! www.two-pillars.de/

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iQUAVIS im Sondermaschinenbau. Interview mit Andreas Bichler von FILL

Andreas Bichler ist Ingenieur bei der österreichischen Firma FILL Gesellschaft m.b.H., die im Maschinenbau tätig ist. Heute berichtet er uns von seiner Erfahrung mit iQUAVIS, unserem Systems Engineering Werkzeug, und wie es im Sondermaschinenbau erfolgreich eingesetzt wird. Sie haben in Ihrer Masterarbeit an der TU Graz auf das SE-Werkzeug iQUAVIS gesetzt – wie kam es dazu? Teil der Masterarbeit war die Fragestellung zu beantworten, wie MBSE im Sondermaschinenbau umgesetzt werden kann. Die Anforderungen, die sich aufgrund dieser Fragestellung ergaben, führten dazu, iQUAVIS zu verwenden. Zu diesen Anforderungen zählen neben den klassischen Anforderungen an ein MBSE Werkzeug die einfache Bedienbarkeit und die schnelle Erlernbarkeit ohne Einbußen in der Qualität des entstehenden Systemmodells. iQUAVIS erfüllt diese Anforderungen am besten. Ihre Arbeit war ein Input für das Unternehmen FILL Gesellschaft m.b.H., bei dem Sie nun auch als fertiger Ingenieur Ihre berufliche Laufbahn starten – herzlichen Glückwunsch hierzu! Was haben Sie konkret getan und welchen Nutzen hat iQUAVIS dabei gestiftet? Im Zuge der Arbeit wurden Systemmodelle mithilfe von iQUAVIS erstellt. Die Informationen aus dem Systemmodell wurden über Schnittstellen im weiteren Entwicklungsprozess verwendet. Weiters wurde eine der verfügbaren Schnittstellen genutzt, um die Möglichkeit einer automatisierten Anforderungsüberprüfung zu testen. Das Systemmodell diente in diesem Zusammenhang als zentrale Ablage und gleichzeitig als Quelle von Informationen. Im Zuge der Anforderungsüberprüfung wurde der Unterschied zwischen einem dokumentenbasierten und einem modellbasierten Ansatz deutlich sichtbar. iQUAVIS ist von seinem Ansatz her anders strukturiert als viele andere MBSE-Werkzeuge. Was ist an diesem Unterschied positiv?Die Verknüpfung von Projektmanagement und MBSE, wie sie mit iQUAVIS möglich ist, ist einer der strukturellen Vorteile. Durch die Möglichkeit, zum Beispiel Aufgaben und Ressourcen zuweisen zu können, rücken Projektmanagement und MBSE näher zusammen. Ein weiterer Vorteil ist die enge Verknüpfung von Werkzeug, Sprache und Methode. Dadurch sind Funktionen des Werkzeuges besser auf die Sprache und die Methode abgestimmt. SE in der Lehre versus SE im Unternehmensalltag – was ist Ihrer Meinung nach die größte Hürde? Kann iQUAVIS hier die Hürde niedriger hängen?Die grundlegende Idee, den dokumentenbasierten Ansatz durch den modellbasierten Ansatz zu ersetzen, wird meiner Erfahrung nach im Unternehmensalltag durchaus begrüßt. Eine der größten Hürden stellt die Integration eines MBSE Werkzeuges in den Entwicklungsprozess dar. Eine erfolgreiche Integration macht sich dadurch bemerkbar, dass das MBSE Werkzeug als Erleichterung der Arbeit und nicht als zusätzlicher Aufwand verstanden wird. Dies ist allerdings nur möglich, wenn sich das Werkzeug an die jeweiligen Gegebenheiten des Unternehmens anpassen kann. Durch den Aufbau von iQUAVIS steht es dem Benutzer weitestgehend frei, wie das Werkzeug verwendet wird. Durch diese Gegebenheit kann die Einführung in den Unternehmensalltag erleichtert werden. Mit welchem Use Case sollten Unternehmen des Maschinenbaus in das SE-Thema einsteigen?Das Erreichen eines gemeinsamen Systemverständnisses würde sich als Einstieg in das MBSE-Thema eignen. Bei umfangreichen Systemen ist es schwierig, mithilfe des dokumentenbasierten Ansatzes ein gemeinsames Verständnis bei allen Stakeholdern zu erreichen. iQUAVIS bietet durch die Darstellung der Informationen in Diagrammen, Ablaufdiagrammen usw. die Möglichkeit, umfangreiche Systeme übersichtlich abzubilden. Nach Erreichen des gemeinsamen Systemverständnisses können die verwendeten Elemente mit den für den Entwicklungsprozess notwendigen Informationen hinterlegt werden und so das Systemmodell zur Ablage und Quelle von Informationen ausgebaut werden. Die FILL Gesellschaft m.b.H. wurde 1966 in Österreich gegründet und ist ein familiengeführtes Maschinenbau-Unternehmen für die Industrien Automotive, Aerospace, Sport, Holz & Bau. Christian TschirnerSystems Engineering ist eine Lebensart – wer sie einmal kennt, kommt nicht von ihr los! Ich brenne dafür, das Engineering zu verändern. Weg von verwirrenden Lasten- und Pflichtenheften hin zu einer modellbasierten Spezifikation. Das hilft mir, viele Aufgaben eines Projekts besser zu bewältigen, mit Kollegen ein gemeinsames eindeutiges Systemverständnis zu bilden und immer die relevanten Aufgaben im Blick zu haben. Und außerdem: Ich bin überzeugt, dass innovative Geschäftsmodelle nur mit einem solchen Ansatz möglich werden: Smarte Services, Things that think, … Let’s go together! www.two-pillars.de/

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